Die Aktionsgruppe „Kinder in Not“ e.V. unterstützt mit einer mobilen Schule Straßenkinder in Cebu City auf den Philippinen. Bildung und Wissen sind für die Kinder der einzige Weg aus der Armut.


Im Februar dieses Jahres besuchte ich unsere Hilfsprojekte auf den Philippinen. Es ist uns wichtig, uns in regelmäßigen Abständen persönlich von der Arbeit und den Fortschritten vor Ort zu überzeugen. Auf den Philippinen unterstützen wir zwischenzeitlich 31 Hilfsprojekte. Dazu gehört auch die mobile Schule für Straßenkinder.

Schätzungen der Vereinten Nationen gehen davon aus, dass es weltweit 100 Millionen Straßenkinder gibt. Der häufigste Grund für ein Leben auf der Straße ist die Flucht vor der Armut aus den ländlichen Regionen in die Stadt. Ohne Ausbildung haben die Menschen in der Stadt jedoch keine Chance auf einen Job. Letztendlich bleibt ihnen dann nur eine notdürftige Unterkunft aus Holz und Pappe in der Nähe der Müllkippen oder in den Elendsvierteln. Mädchen und Jungen, die ohne ihre Eltern in der Stadt stranden, haben oft wegen Missbrauchs oder Gewalt ihre Familien verlassen.

Vor vier Jahren wurden wir von unseren Projektpartnern auf den Philippinen auf die Problematik der Straßenkinder in der Hafenstadt Cebu City hingewiesen. Eine große Anzahl von Kindern und Jugendlichen lebt dort dauerhaft auf der Straße oder in Parks. Hinzu kommen viele Mädchen und Jungen, die überwiegend an Treffpunkten am Hafen und auf Straßenplätzen herumlungern. Viele dieser Straßenkinder besuchen die Schule gar nicht oder nur unregelmäßig.

Gemeinsam mit unseren Projektpartnern hatten wir die Idee, eine mobile Schule zu entwickeln. Vor vier Jahren wurde ein Bus gekauft, umgebaut und mit Tischen, Stühlen, Büchern und den unterschiedlichsten Lernmaterialien ausgestattet. Besetzt wurde der Bus mit 1 – 2 Lehrern und zusätzlich mit Studenten der San Carlos Universität, die bereit waren, sich ehrenamtlich zu engagieren. Der Bus fährt noch heute an den Werktagen unterschiedliche Treffpunkte in Brennpunktbereichen der Stadt an, immer dort, wo sich Straßenkinder versammeln.

Der Schulabschluss ist ein wichtiger Schritt in eine bessere Zukunft.

Der Schulabschluss ist ein wichtiger Schritt in eine bessere Zukunft.

Die Kinder und Jugendlichen wurden zuerst einmal durch Musik, Spiele und Getränke „angelockt“. Nach und nach boten die Lehrer den Mädchen und Jungen ein alternatives Lernsystem nach dem Lehrplan des Departments of Education auf den Philippinen an. Die Anfänge waren nicht einfach. Die Kinder können und wollen sich oft nicht konzentrieren und halten es nicht lange auf den Stühlen sitzend aus. Je bekannter der Schulbus wurde, umso mehr Kinder und Jugendliche kamen, die bereits eine Schuleinrichtung besuchten und um Hilfe bei den Hausaufgaben baten.

Schon bald reichten die Plätze des ersten Busses nicht mehr aus und „Kinder in Not“ wurde um die Finanzierung eines zweiten Busses gebeten. Rund 600 Kinder und Jugendliche besuchen zwischenzeitlich teilweise regelmäßig, andere gelegentlich, die gelben mobilen Schulbusse. Bei meinem Besuch in Cebu City fuhr ich mit dem Bus 2 eine Haltestelle in einer belebten Seitenstraße an. Auf dem Bürgersteig lebten, in selbst hergestellten Notunterkünften aus Pappe und Eisenstangen, schätzungsweise 30 Familien mit einer Vielzahl von Kindern. Diese Familien haben früher unter einer Brücke gewohnt. Das Wasser in dem angrenzenden Fluss war durch die starken Regenfälle so stark gestiegen, dass sie ihren Wohnplatz verlassen mussten. Ungefähr zwei Wochen lang wohnten sie jetzt auf dem Bürgersteig. Schnell versammelten sich die Mädchen und Jungen am Bus. Die Lehrer zeigten ihnen Spielsachen, unterhielten sich mit den einzelnen Kindern, gaben ihnen etwas zu trinken und luden sie zu einem Treffen mit Musik und Gesang am folgenden Tag ein.

Kinderarbeit gehört zum Alltag: selbst die Kleinen...

Kinderarbeit gehört zum Alltag: selbst die Kleinen...

Die nächste Haltestelle war ein großer Platz, nicht weit von einer Hauptstraße entfernt. Rund 30 Kinder, schätzungsweise im Alter von 4 bis 12 Jahren, warteten schon. Einige der Jugendlichen bestiegen den Bus und begannen mit den Hausaufgaben unter Leitung eines Studenten.

Die Lehrer forderten die Kleineren auf, sich in einer Reihe aufzustellen. Das war gar nicht so einfach, da immer einige Kinder aus der Reihe tanzten, weil sie entweder weiter nach vorne oder an den Schluss wollten. Der Lehrer stimmte dann ein Lied an, das die Zahlen 1 – 10 beinhaltete. Durch Reime und Lieder lernen die Kleinen so Buchstaben und Zahlen kennen. Zwischendurch lief ein Kind davon, weil es keine Lust mehr hatte. Den anderen schien der Unterricht jedoch Spaß zu machen. Anschließend wurde gemalt. Die Lehrer und Studenten waren nach jeder Haltestelle ziemlich erschöpft, denn den Straßenkindern fehlt, besonders in den Anfängen, jede Art von Disziplin und Erziehung.

... sammeln Müll, putzen Autoscheiben oder verkaufen Blumen.

... sammeln Müll, putzen Autoscheiben oder verkaufen Blumen.

Stolz berichteten die Lehrer von ihren Erfolgen. Im letzten Jahr konnten ca. 20 Kinder in die öffentliche Grundschule eingeschult werden. Das Erfreuliche ist, dass keines dieser Kinder bisher die Schule abgebrochen hat. Diese Mädchen und Jungen kommen nach wie vor am Nachmittag zum Bus, wenn sie Hilfe brauchen.

Mit Sicherheit ist es ein harter Weg, die Mädchen und Jungen, die überwiegend auf der Straße leben, davon zu überzeugen, wie wichtig eine Schulausbildung ist. Es fehlt die Unterstützung der Eltern, die sich kaum um ihre Kinder kümmern. Umso mehr bewundere ich den großen Einsatz der Lehrkräfte, die mit viel Fürsorge und Verständnis den Kindern und Jugendlichen eine Chance auf ein besseres Leben geben.

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