Den Teufelskreis durchbrechen

Armut und HIV drängen die Menschen in den Favelas von São Paulo an den Rand der Gesellschaft. Die größten Verlierer sind dabei die Kinder. Hilfe finden sie in der Casa Criança Querida, die von der Aktionsgruppe „Kinder in Not“ finanziert wird.

In der von der Aktionsgruppe finanzierten Kindertagesstätte Casa Criança Querida werden rund 55 Kinder, Jugendliche und deren HIV-positive Familien betreut. Sie stammen aus den Elendsvierteln des südlichen São Paulo und der angrenzenden Vorstädte. Kleinkinder aus diesen Familien besuchen die Krippe, wenn die Versorgung zu Hause nicht sichergestellt ist. 3 – 6-Jährige verbringen den Tag im Kindergarten. Für Schulkinder und Jugendliche gibt es altersentsprechende Gruppen.

Die Mädchen und Jungen erhalten zur Stärkung des Immunsystems vollwertige Mahlzeiten mit viel Gemüse und frischem Obst. Die Eltern werden unterstützt in Fragen der Ernährung, der persönlichen Hygiene und der Kindererziehung. Die Einrichtung arbeitet mit Schulen und Tageskliniken der Region, dem Gesundheitsamt, Ärzten und Therapeuten zusammen. Dadurch können die betreuten Familien in ein breit gefächertes Netz von sozialer und gesundheitlicher Hilfe eingebettet werden. In besonderen Notfällen bekommen sie sogar finanzielle Unterstützung für ärztliche Eingriffe, Lebensmittel oder Unterkünfte.

Kriminalität und Gewalt sind Alltag

Sicherlich wurde in Brasilien viel getan, um die Reduzierung von Armut und sozialer Ungleichheit voranzutreiben. Doch die staatlichen Sozialprogramme erreichen die Allerärmsten meist nicht. Das soziale Problem der in der Einrichtung betreuten Kinder ist nach wie vor riesengroß. Sie wachsen in finanzieller Armut und mit unzureichender Bildung und Kultur auf. Die Kinder kommen unter- oder fehlernährt, ungewaschen, mit Läusen und mit nicht gewechselten Windeln in die Tagesstätte. Akute Infektionen werden nicht oder unzureichend behandelt. Wunden heilen nicht, weil es zu Hause an der notwendigen Hygiene fehlt. Eltern und ältere Geschwister sind oft in kriminelle Geschäfte verwickelt: Drogenhandel, Raub oder illegale Arbeit als Straßenhändler.

Fast täglich bitten sehr junge Mütter unsere Mitarbeiter um Hilfe. Selbst HIV-positiv, mit kranken Säuglingen, erzählen sie von Missbrauch, dem Leben auf der Straße, Prostitution und gewalttätigen Männern. Viele sind abhängig, wurden von ihren Familien verstoßen und sind im Teufelskreis der Armut gefangen. Die enorme Gewalt in den Armutsvierteln spielt dort in jeden Familienalltag hinein.

Lichtblick Casa Criança Querida

Kommen die großen sozialen Missstände und die HIV-Erkrankung zusammen, gibt es kaum noch Hoffnung. Trotz Sozialprogrammen und der verbesserten Unterstützung ist die Säuglingsgruppe der Casa Criança Querida überfüllt, die Wartezeiten für einen Platz in der Einrichtung sind lang. Die Kinder, die in der Casa aufgenommen wurden, haben großes Glück. Wenigstens tagsüber finden sie dort Schutz und liebevolle Zuwendung und können somit für kurze Zeit ihrem traumatisierenden Alltag entfliehen. Dank der intensiven Zusammenarbeit mit den Schulen, Hausaufgabenbetreuung und anderen fördernden Aktivitäten bekommen sie erstmals eine reelle Chance auf einen Schulabschluss. Und nur dadurch auch Perspektiven auf einen qualifizierten Beruf und ein selbstbestimmtes Leben.

Ein Mädchen, das diese Chance genutzt hat, ist Maria. Als sie mit neun Jahren in die Schulkindergruppe kam, lebte sie mit ihren Eltern und acht Geschwistern in einer Favela von São Paulo. In dem von ihnen illegal bewohnten Haus regierte das Chaos, gewalttätige Auseinandersetzungen der Eltern gehörten zur Tagesordnung. Die HIV-positive Mutter war außerstande, den Alltag der Großfamilie zu organisieren. Neben dem Mädchen nahmen sich die Sozialarbeiter der Tagesstätte auch der restlichen Familie an. Die Mutter musste immer wieder dazu angehalten werden, ihre eigenen Medikamente einzunehmen und Arzttermine wahrzunehmen.

Die Familie wurde bei der Versorgung der Kinder unterstützt, erhielt Lebensmittelspenden, auch Stromrechnungen wurden beglichen. Eines Tages überraschte die Mutter das Team der Tagesstätte mit der Nachricht, dass sie eine Arbeit in einer Bäckerei gefunden habe. Schon einige Wochen später war keine finanzielle Unterstützung mehr nötig.

Leider gab es in den folgenden Jahren immer wieder Höhen und Tiefen. So begann ein Sohn zu trinken, wurde straffällig und landete im Gefängnis. Drei Kinder der Familie befinden sich heute jedoch auf einem sehr guten Weg. Zwei Söhne stehen kurz vor dem Schulabschluss und haben gute Chancen auf eine Ausbildung. Maria hat die Schule mit großem Erfolg beendet und macht eine Ausbildung zur Erzieherin. Ihr Ziel ist es, die Hilfe, die sie und ihre Familie bekommen haben, an andere Menschen weiterzugeben.

Die Kindertagesstätte Casa Criança Querida erhält keinerlei staatliche Unterstützung und ist komplett auf Spenden angewiesen. Bitte helfen Sie, damit wir diesen Kindern zu einer besseren Zukunft verhelfen können.


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