Zukunft durch Ausbildung

Seit 2003 unterhält die Aktionsgruppe „Kinder in Not“ in Palamaner / Südindien eine Tagesstätte mit angrenzendem Gesundheitszentrum für körperlich und geistig behinderte Kinder.

Diese Kinder kommen aus den ärmsten Familien der Stadt Palamaner und der ländlichen Umgebung. Viele der Mädchen und Jungen gehören zu den vergessenen Kindern. Sie hätten dringend Zuwendung und Pflege gebraucht. Doch ihre Eltern waren mit der Behinderung ihres Kindes überfordert und behandelten sie dadurch ungerecht und manchmal auch lieblos. Zusätzlich fehlte diesen Kindern der Zugang zu Bildung und Entwicklung, weil sie nicht hören konnten, nicht gehen konnten, geistig behindert waren oder mit einer anderen Beeinträchtigung leben mussten.

Die erworbenen Fähigkeiten helfen den Kindern, sich in ihren Familien zu behaupten.

Die erworbenen Fähigkeiten helfen den Kindern, sich in ihren Familien zu behaupten.

So viel Selbständigkeit wie möglich

Einhundert Mädchen und Jungen mit den unterschiedlichsten körperlichen und mentalen Defiziten werden derzeit in unserem Zentrum betreut und unterrichtet. Erfreulicherweise unterstützt Prof. Jeychandran aus Chennai, der viel Erfahrung in der Ausbildung und Betreuung behinderter Kinder in Indien hat, unsere Lehrer und Sozialfürsorgerinnen regelmäßig durch Ratschläge, Seminare und Empfehlungen. Die Mädchen und Jungen sollen die bestmögliche Hilfe erhalten, um so viel Selbständigkeit und Selbstbewusstsein wie möglich zu erlangen. Zusätzlich erhalten sie in unserem Gesundheitszentrum eine sehr gute regelmäßige Betreuung durch einen Arzt, einen Physiotherapeuten und eine Krankenschwester. Operationen in einem Krankenhaus in Bangalore helfen den Kindern, wenn die Möglichkeit besteht, dadurch Schmerzen zu lindern.

Während der Ausbildungszeit leben viele der Jugendlichen unter der Woche in dem Berufsschulcenter.

Während der Ausbildungszeit leben viele der Jugendlichen unter der Woche in dem Berufsschulcenter.

Mehrere der zu Beginn aufgenommenen Jugendlichen haben zwischenzeitlich die Kinder Special Care School abgeschlossen. Sie einfach wieder in ihr früheres Leben zu ihren Familien zurück zu entlassen, wäre ein sehr schlechter Schritt in die falsche Richtung gewesen. Wir haben deshalb zusammen mit den Hilfsprojektmitarbeitern erörtert und untersucht, welche Berufsausbildungen für die Mehrzahl der Jugendlichen möglich sein könnten und welche Arbeiten sie auch interessieren würden.

Letztendlich entschieden wir uns für drei Berufssparten: Milchwirtschaft und Gemüseanbau, Näherei, Kerzenherstellung. Nach den Schnupperkursen entschlossen sich die Mädchen und Jungen je nach Behinderung und Interesse für eine zwei- bis dreijährige Ausbildung in einem dieser Berufszweige.

Die ersten zwölf Schüler haben ihr erstes Ausbildungsjahr im Gemüseanbau gemeistert.

Die ersten zwölf Schüler haben ihr erstes Ausbildungsjahr im Gemüseanbau gemeistert.

Zwischenzeitlich haben die ersten 12 Berufsschüler ihr erstes Ausbildungsjahr in der Milchwirtschaft und dem Gemüseanbau gemeistert. Ein Ausbilder steht ihnen zur Seite. Sie sind für zwölf Milchkühe verantwortlich. Das schließt die Versorgung mit Futter von den umliegenden Wiesen ein, das Melken der Kühe und die Verteilung der Milch an die Tagesstätte und für den Verkauf an die Nachbarn, sowie das Reinigen der Ställe. Außerdem unterhalten sie mehrere größere Gemüsebeete, ernten ihre eigenen Kartoffeln und ihr eigenes Obst.

Eine Kuh für den Lebensunterhalt

Auch der richtige Umgang mit den Tieren wird den Teilnehmern gezeigt.

Auch der richtige Umgang mit den Tieren wird den Teilnehmern gezeigt.

Aufgrund ihrer Behinderungen wird streng auf die ärztlich festgelegten Ruhezeiten der Jugendlichen geachtet. Ihnen macht die Arbeit viel Freude und sie werden selbstsicherer und selbstbewusster. Es ist geplant, dass die Auszubildenden nach der abgeschlossenen Lehrzeit eine Kuh erhalten und so in ihren eigenen Familien ein wenig zum Lebensunterhalt beitragen können.

In der Näherei lernen sie unter Leitung einer sehr guten Näherin, einfache Kleidung herzustellen, um später in der Lage zu sein, durch Näharbeiten einen kleinen eigenen Verdienst zu erwirtschaften und nicht völlig abhängig von ihrer Familie zu sein. Diese Mädchen und Jungen werden als Anfangskapital nach beendeter Lehrzeit eine Nähmaschine und Stoffe erhalten. Das Lernen der Kerzenherstellung ist sehr beliebt. Die farbenfrohen Kerzen und verschiedenen Formen regen die Fantasie der Schülerinnen und Schüler an. Ihnen soll es später ermöglicht werden, zu Hause eigenständig Kerzen aller Art zum Verkauf anzufertigen.

Das erste Lehrjahr war auch für die Ausbilder eine Zeit des Lernens und der Verbesserungen des Ausbildungsprogramms. Oft war große Geduld gefordert und mitunter mussten sie einfach akzeptieren, dass ein Mädchen oder ein Junge für eine bestimmte Ausbildung wegen der bestehenden Behinderung nicht geeignet war. Das erste Berufsschuljahr hat gezeigt, dass die Jugendlichen viel selbständiger geworden sind und sich aufgrund ihrer gelernten Fähigkeiten auch besser in den eigenen Familien behaupten können. Sie spüren das, was sie immer vermisst haben: Ihre Familie ist stolz auf sie.

Feingefühl ist bei der Herstellung von filigranen Kerzen gefragt. Die Kinder eignen sich jeden nötigen Schritt zur Produktion der Kerzen an.

Feingefühl ist bei der Herstellung von filigranen Kerzen gefragt. Die Kinder eignen sich jeden nötigen Schritt zur Produktion der Kerzen an.

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