Mann mit Temperatur von Mischgut

August 2026 | Lesedauer: 6 Min.

Temperaturabgesenkter Asphalt – Wie aus Herausforderungen Chancen werden

Der neue Standard für den Straßenbau

Der Wandel ist beschlossene Sache: Ab dem 1. Januar 2027 wird temperaturabgesenkter Asphalt (TA-Asphalt) in Deutschland zur neuen verpflichtenden Regelbauweise. Getrieben wird diese Entwicklung maßgeblich durch den Deutschen Asphaltverband und mit klarem Fokus auf den Schutz der Mitarbeitenden – vor allem in den Sektoren Einbau und Verdichtung. Damit rückt nicht nur die Baustelle, sondern bereits die Herstellung in den Fokus: Die Asphaltmischanlage wird zum entscheidenden Hebel für einen erfolgreichen Einsatz von TA-Asphalt.

Eine neue Herausforderung von der Mischanlage bis hin zur Verdichtung

Während der konventionelle Heißasphalt noch bei 140 bis 180 °C produziert wird, reichen beim TA-Asphalt bereits 110 bis 130 °C aus. Er wird deshalb auch als Nieder- oder Niedrigtemperaturasphalt (NTA) bezeichnet. Das Ergebnis: weniger Energieeinsatz, weniger CO₂-Emissionen , weniger gesundheitsschädliche PAK-Dämpfe, und schlussendlich eine verbesserte Arbeitssicherheit. Doch niedrigere Temperaturen bedeuten im Gegenzug höhere Viskosität – und damit eine echte technische Hürde: Bitumen wird zäh und lässt sich schlechter verarbeiten. Doch für die Qualität des Asphaltes ist es wichtig, dass die enthaltenen Steine gleichmäßig von Bitumen umhüllt werden. Und genau hier zeigt sich, was moderne Anlagentechnologie in Zukunft leisten muss.

Viskosität

Viskosität von Bitumen bezeichnet den inneren Strömungswiderstand des Materials und damit seine temperaturabhängige Fließfähigkeit. Bitumen weist ein stark thermoviskoses Verhalten auf: Mit steigender Temperatur sinkt die Viskosität deutlich, wodurch das Material weicher und verformbarer wird, während es bei niedrigen Temperaturen stark ansteigt und ein sprödes Verhalten zeigt. Folgen: Die Viskosität beeinflusst maßgeblich die einzelnen Schritte sowohl bei der Asphaltherstellung als auch im späteren Gebrauch. Nur bei idealer Temperatur ist Bitumen pump- und mischfähig und lässt sich zu fertigem Einbaumaterial verarbeiten. Die darauf folgende Verarbeitung muss entsprechend in einem kurzen Zeitfenster stattfinden, um eine langanhaltende Einbauqualität der Straßen und Flächen zu gewährleisten.

Um den Herausforderungen von Morgen gerecht zu werden, setzt Benninghoven mit technologischen Lösungen an, die auf die Verbesserung des Arbeitsschutzes, die Reduzierung des Energieeinsatzes, effizientere Prozessabläufe sowie eine messbare Verringerung von Emissionen abzielen.

Technologische Lösungsansätze für Asphaltmischanlagen

Um temperaturabgesenkten Asphalt prozesssicher herzustellen, stehen heute unterschiedliche technische Ansätze zur Verfügung. Dazu zählen insbesondere die Zugabe von Schaumbitumen sowie die von festen oder flüssigen Additiven, die das Verarbeitungsverhalten des Bitumens gezielt beeinflussen und die Produktion bei reduzierten Temperaturen so ermöglichen.

Schaumbitumen

Durch das Vermischen von heißem Bitumen mit Wasser wird das Bitumen auf ein Vielfaches des ursprünglichen Volumens aufgeschäumt und somit die Viskosität temporär verändert.

Feste Additive

Für die Zugabe von festen Additiven bietet Benninghoven die technische Lösung der Pulver- bzw. Granulatzugabe sowie die Multivariable Zugabe.

Flüssige Additive

Für die Zugabe von flüssigen Additiven bietet Benninghoven die technische Lösung Flüssigadditivzugabe mit bis zu 2 IBC Behältern und 2 Pumpen, die eine chemische und Temperaturbeständigkeit aufweisen.

Schaumbitumen

Es braucht nichts mehr als die Zugabe von Wasser

Im Rahmen der Asphaltproduktion besteht die Herausforderung darin, Bitumen bei niedrigeren Temperaturen gleichmäßig mit der Gesteinskörnung zu benetzen, zu ummanteln und gleichzeitig die Verarbeitbarkeit sicherzustellen. Eine Lösung hierfür bietet die Schaumbitumen-Technologie.

Durch die gezielte Zugabe einer definierten Wassermenge wird heißes Bitumen kurzfristig aufgeschäumt und sein Volumen deutlich vergrößert. Die Viskosität sinkt dabei temporär, wodurch sich die Benetzung der vorgeheizten Gesteinskörnung verbessert. Das Gestein muss durch dieses Vorgehen im Vorhinein auf eine deutlich geringere Temperatur erhitzt werden. So ermöglicht die Verwendung von Schaumbitumen eine gleichmäßige Vermischung ohne zusätzliche chemische Zusätze und trägt zur Reduzierung der Mischtemperaturen bei.

Die Verwendung von Wasser bietet darüber hinaus zwei weitere Vorteile: Chemische Additive müssen nicht zusätzlich gelagert werden. Und auch beim späteren Ausbau des Asphalts muss zwecks Wiederverwendbarkeit nicht mit eventuellen Emissionen gerechnet werden, die bei einer erneuten Erhitzung entstehen können.

Mit dem Benninghoven Schaumbitumen-Modul lassen sich bestehende Anlagen einfach und schnell nachrüsten. Dank durchdachtem „Plug & Work“-Konzept gelingt die Integration reibungslos – und das ganz unabhängig vom Anlagenhersteller.

Plug & Work für maximale Effizienz –
Schaumbitumen-Modul einfach nachträglich einbauen

„Mit unserem Schaumbitumenmodul bieten wir eine Lösung, die sich bewusst an den Anforderungen bestehender Anlagen orientiert. Dabei ist es egal, ob es sich um eine Anlage von Benninghoven oder einem anderen Anbieter handelt. Dank des Plug-&-Work-Prinzips können Betreiber die Technologie schnell und mit minimalem Aufwand nachrüsten. Besonders wichtig ist es uns, dass die Integration fehlerfrei funktioniert. Deshalb gibt es an unseren Anlagen bereits vorgeplante Schnittstellen für eine reibungslose Einbindung. Dabei bleibt das System autark, sodass keine Eingriffe in die bestehende Steuerung erforderlich sind,“ erklärt Ertugrul Aksakal, Entwicklungsingenieur Forschung und Verfahrenstechnik Benninghoven.

Feste Additive

Flexibel dosiert

Auch die kontrollierte Zugabe fester Additive eröffnet in der TA-Asphaltproduktion eine weitere Möglichkeit, insbesondere im Hinblick auf Dosiergenauigkeit und Prozesssicherheit. Benninghoven bietet hierfür abgestufte Lösungen an.

Und so funktioniert das: Kleine Mengen werden über eine Granulatzugabe dank Luftstrom nach oben in die Wiegemischsektion gefördert und direkt in den Mischer eingebracht. Eine weitere Möglichkeit stellt die patentierte Multivariable RC-Zugabe dar, die eine präzise Dosierung über die Verwiegungstechnik ermöglicht. Die Materialzuführung erfolgt dabei wahlweise über Elevator oder Steigband und lässt sich in bestehende Anlagen integrieren.

Flüssige Additive

Präzise und zuverlässig

Eine weitere Möglichkeit ist die Zugabe von flüssigen Additiven in den Prozess. Zwei Förderpumpen sorgen dabei für eine exakte Dosierung in die Bitumenwaage beziehungsweise direkt in den Mischer.

„Benninghoven ermöglicht im Zuge der NTA-Umstellung einen äußerst praxisnahen und zugleich zukunftsorientierten Ansatz: Anwender profitieren von technologischen Lösungen, die bereits heute auf die kommenden regulatorischen Anforderungen von TA-Asphalt ausgelegt sind. Durch flexible Retrofit-Konzepte lassen sich aber auch nahezu alle bestehenden Asphaltmischanlagen effizient nachrüsten. Dank des ‚Plug & Work‘-Prinzips gelingt die Integration zudem in kurzer Zeit und ohne aufwendige Umbauten,“ erklärt Aksakal.

Graph mit exponentieller Kurve zeigt, wie PAK-Emissionen bei Reduzierung der Produktionstemperatur von Asphalt eingespart werden können.

Durch eine Absenkung der Produktionstemperatur um bis zu 30 °C bei der Asphaltherstellung ergibt sich potenziell ein enormes Einsparpotenzial. Bei einer Tagesproduktion von 2.000 Tonnen Asphalt lassen sich täglich große Mengen an Energie und Ressourcen einsparen. So werden in dem Beispiel mit 2.000 Tonnen Asphalt rund 18.000 kWh weniger Energie benötigt zum Aufheizen, was mehr als 9 kWh pro Tonne Fertigasphalt entspricht. Der Heizölverbrauch reduziert sich um 1.800 Liter pro Tag, also rund 0,9 Liter pro Tonne Asphalt. Durch die niedrigere Temperatur sinken auch die PAK-Emissionen (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) erheblich: Um ganze 87,5 %.

Zusätzlich zum verminderten Energieverbrauch gilt: Pro 10° C Temperaturabsenkung wird 1 kg weniger CO₂ ausgestoßen. Das bedeutet für die oben genannte Rechnung: Wird die Temperatur um 30° C abgesenkt, werden bei einer Tagesproduktion von 2000 t Asphalt 6.000 kg CO₂ eingespart.

Diese Zahlen verdeutlichen eindrucksvoll, wie durch eine optimierte Temperaturführung in der Asphaltproduktion Energie, Rohstoffe, Emissionen und CO₂ eingespart werden können – ein entscheidender Beitrag zu einem effizienteren und nachhaltigeren Straßenbau.

Welche weiteren Einsparpotentiale für Emissionen bei der Straßeninstandsetzung gibt es? Das erfahren Sie hier.

Tolles Produkt

„Bei gezielter Temperaturreduzierung von 30 °C lassen sich Energieeinsparungen von bis zu 10 % realisieren. Gleichzeitig werden CO₂-Emissionen gesenkt, ohne Kompromisse bei der Mischgutqualität einzugehen. Darüber hinaus kann der Anlagenverschleiß durch die niedrigere Temperatur reduziert werden. Nicht zuletzt tragen weniger Dämpfe zu verbessertem Arbeitsschutz währen des Asphalteinbaus bei.“

Ertugrul Aksakal, Entwicklungsingenieur Forschung und Verfahrenstechnik Benninghoven

Temperaturabgesenkter Asphalt mit der Wirtgen Group – eine Markenfamilie, ein sauber abgestimmter Prozess

Weitere Herausforderungen bei der Verwendung von temperaturabgesenktem Asphalt gibt es beim Einbau auf der Baustelle. Denn sowohl bei Einbau als auch bei Verdichtung müssen Bauunternehmen Prozesse anpassen und eingetretene Pfade verlassen. Vögele und Hamm bieten umfassende Lösungen, um einen problemlosen und effizienten Einsatz zu ermöglichen. Mehr hierzu erfahren Sie in den nächsten Teilen unserer Artikelserie zum Thema temperaturabgesenkter Asphalt.